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Altweibersommer - Bedroht die Liebe das Ich?


Aug 4 2011

Ruth Eder
11:35 Uhr
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 Mein ungeratener aber heiß geliebter Hund  Fritz  springt hocherfreut an Norberts  Jeans empor, was Norbert in perfekter Haltung über sich ergehen  lässt. Daraufhin gelingt es ihm wider jegliche Vernunft,  Fritz anzuleinen, der schliesslich  zwischen den Stuhlreihen entlangstolziert und nach  irgendeinem Polizeihundestaffel-Monstrum Ausschau hält, mit dem er raufen kann. Eine Hündin würde ihm sicher  noch  besser in diesen Sommertag passen, was mich schon öfter in ässerst peinliche Zwangslagen gebracht hat. Denn  Fritz behüpft  jede, die ihm gefällt, und das sind eigentlich alle.   Ich habe aus leidvoller Erfahrung gelernt,  dass Hunde nach vollzogener  Tat eine geschlagene halbe Stunde  nicht voneinander loskommen, so sehr  sie dies auch versuchen. Der Vorgang  zwingt ihre genierten Besitzer, ebenso lange am Ort des Geschehens zu verweilen und angesichts der verkeilten, todunglücklichen  Hunde höflich Konversation zu machen. Bislang gibt es, soweit ich informiert bin,  keinerlei Benimmregeln, wie man sich als  Dame von Welt im Angesicht  vögelnder Hunde zu verhalten hat. Ich bin jedoch sicher, dass Norbert  auch solch eine Situation in perfekter  Haltung meistern würde. 
Wolfi hingegen  lässt selten  ein Fettnäpfchen aus. Auch keine  schlüpfrige Bemerkung. Seine Triebstärke, deren lobende Erwähnung ich mir leider nicht zu verkneifen vermocht hatte, trug ihm  bei  Mara umgehend  den Ehrentitel "notgeil" ein.     Mein Herz dehnt sich vor Sehnsucht. Ich werde Wolfi heute abend noch sehen. Ganz aus der Nähe.
Dennoch kämpfe ich darum, mich nicht mit Haut und Haaren von dieser Leidenschaft auffressen zu lassen und wenigstens   die wichtigsten  Freundschaften zu pflegen. Zwei Ehemänner und noch ein paar mehr  sind gekommen und gegangen, aber meine Freunde haben mich immer wieder aufgefangen. Ich begreife allmählich, wie  Daniel  trinkt, wie er raucht, wie  er arbeitet, wie er mit Musik umgeht und mit der Liebe.   "Der Mann ist ein Suchtcharakter," sagt meine Freundin Carla  in ihrer lapidaren Art. Sie hat wohl Recht. Wolf lebt  exzessiv in jeder Hinsicht. Das zieht mich an in  seiner Gefährlichkeit, lässt mich aber auch wachsam  werden. Vorbehaltlich. Ich muss meine Seele schützen und auch meinen Ruf bei meiner Tochter. 
Bisher hatte jeder Mann, mit dem es mir ernst war,  meinen Wesenskern bedroht. Mich in Versuchung geführt, sich in ihm zu verlieren. Wenn ich mich verliebte, war mein Ich  in Gefahr. Liegt das an mir? Liegt es an den Männern? Oder ist das einfach das Wesen der Liebe?  
"Möchtest du dich hierher setzen," ruft Norberts Stimme mich aus meinen Gedanken. Unter einer Kastanie, die der Sonne ihre  dunkelgrünen  Blätter entgegenhält, an einem der  gedeckten Tische mit Bedienung  hat Norbert einen Platz gefunden. Er drängt sich nicht gern mit Kreti und Pleti Hintern an Hintern auf  Holzbänken. Ich auch nicht.   Norbert wartet, bis ich sitze und nimmt dann selbst auf einem der zierlich geschwungenen, grün lackierten Biergartenstühle Platz.
Der Ober kommt sofort und bringt die passend zu den Kastanienblättern dunkelgrünen Karten. Ober erscheinen  bei Norbert immer sofort. Das Tischtuch ist lindfarben, die Stoffservietten auch. Ein Lüftchen vom See her spielt sacht mit der einen weissen Fresie,  die zusammen mit einer Grasrispe in einem bauchigen Messingväschen  den Tisch schmückt.   Fritz plumpst im  nachgiebigen  Kies unter dem Tisch schnaufend in sich zusammen. Dabei  entfährt ihm ein Wind, der Norbert zu dem  sanften Tadel: "Fritz, du Ferkel" veranlasst.   " Hausgemachte Bratensülze mit Röstkartoffeln" sage ich.  "Das isses doch" sagt Norbert und  bestellt, wie üblich für jeden von uns erst mal ein Weissbier...



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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