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Altweibersommer - Erleuchtung auf dem Klo


Okt 12 2011

Ruth Eder
10:24 Uhr
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  Tja, ich sonne mich in Wolfis ständigem Begehren und fühle mich dadurch knackig und schön. Aber ob so ein  Mann still zusehen wird, wie mein Hintern Plisseefalten wirft?  

Ich liege im Dunkeln in meinem Bett und fröstele in dem nassen T-shirt. Wie war das  damals bloss gewesen, als es losging, mit meiner Weiblichkeit? Als ich, mit elf Jahren noch ein Kind, plötzlich merstruierte in der ersten Klasse Gymnasium. Das Kind, das seinen Busen versteckte unter den selbstgestrickten Pullovern des Vaters. Wollgeruch  vermischt mit Paulchens Rasierwasser. Niemand sonst in der Klasse hatte schon einen Busen.   Ich war Papa im Flur entgegengerannt,   als er abends heimkam. In einem  von Oma genähten türkisfarbenen Perlonkleidchen mit einem  Schaumgummi-Petticoat darunter.  Paulchen,  ich bin jetzt eine Frau! Ich habe ziemlich Bauchweh! Paulchen genierte sich, ich verstand das nicht.  

Ach ja, lang vorbei. Und jetzt hat der Abstieg angefangen.   Ich schaue auf die Uhr. Fünf Uhr. Schade, dass die Vögel morgens nicht mehr singen im Herbst. Und der erste Sex?  Das war 1966 gewesen, kurz  nach der Abiturfeier. "I wanna hold your hand" röhrten die Beatles an diesem Abend. "Please please me" ausserdem. Vom Plattenwechsler, zehn Platten nacheinander, schwarze, glänzende  45 er. Und dann noch mal von vorn. Die Hintergrundmusik meiner Entjungferung. Im Dunkeln. Es roch nach Gummi und Blut.  Ohne Liebe. Nicht mal mit  Zuneigung. Ich wollte es einfach hinter mich bringen. Keine  meiner Freundinnen war noch Jungfrau.  

Er hielt mich für das Früchtchen, als das ich mich gab und war erstaunt, eine Jungfrau vorzufinden. Eine virgo intacta. Mit einer  Jungerfernhaut, die einer Elefantenkuh  Ehre gemacht hätte. Heute bin ich mir sicher, dass es auch für ihn schmerzhaft war.     "So mühsam hab ich mir das nicht vorgestellt", sagte er danach...

 Ich gehe ins Bad. Inzwischen ist es sieben. Die erste Hitzewallung und ich sitze wieder mal am Klo. Als es losging mit Maras Geburt damals vor so vielen Jahren, war ich auch am Klo gesessen. Offenbar sind Schicksalsstunden bei mir eng mit dem Klo als solchem verbunden. Es wäre sicher interessant zu erfahren, ob  Einstein seine Theorie auf dem Klo ersonnen, Napoleon vor Waterloo  aufs Waterklo gegangen...  Werd nicht albern, Alte, sage ich mir. Geh lieber nochmal pennen. In deinem Alter braucht man seinen Schönheitsschlaf.

Draussen wird es allmählich hell. Das Zimmer wechselt von Schwarzweiss nach Farbfilm.  Das Licht zeigt meiner Angst den Stinkefinger:  Es hat ja auch seine Vorteile, endlich nicht mehr verhüten  müssen,  Frauen  konnten dann  ihre Sexualität  unbeschwert und frei geniessen, allzeit bereit, hieß es.  Und überhaupt: Niemand hat sich je gefragt, ob Rasseweib Tina Turner noch Monat für Monat blutet. Nicht mal deren  Lover, der zwanzig Jahre jünger ist, scheint das zu interessieren.  

Ich bin  todmüde. Ich muss jetzt raus. Kathi  und Willi schnurren an meiner Seite. Das Geräusch  schafft Geborgenheit.     In meinem Kopf rollt der Tag ab, damals bei Maras Geburt.  " Inter faeces et urinas nascimur", zwischen Fäkalien und Urin werden wir geboren,  Augustinus. Ganz schön gebildet.  Es ist ja wohl auch an der Zeit, sich allmählich auf die inneren Werte zu besinnen. Gibt ja bald nix anderes mehr. Die Katzen sacht berührend,  gleite ich  wieder in den Schlaf. Das T-Shirt ist in der Bettwärme längst getrocknet...  



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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