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Altweibersommer - Geburtstraum(a) zum Faschingsbeginn


Okt 23 2011

Ruth Eder
11:05 Uhr
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  Man legte mich also im Traum in mein Einzelzimmer-Belegbett. Keine Wehen. Meine Ärztin kommt. Grauer Dutt, gütige, südländische Augen. Sie haben viel Leid gesehen und selbst durchlebt. Als eine der ersten Frauen in Bayern hat sie operiert. Mich durchstömen Ruhe und  Aufgehobensein. Es fühlt sich im Traum an,m wie damals. "Wir warten, bis es von selber losgeht" sagt sie. "Entspannen sie sich. Es kann noch Stunden dauern." Sie nimmt meine kalte Hand fest in ihre beiden warmen, selbstgewissen, präzise operierenden. "Eine Geburt fühlt sich an, als wenn jemand unten ein Messer hereinstösst und stundenlang umdreht," hatte sie bei der Untersuchung mal gesagt. "Machen sie sich keine Illusionen vowegen natürlicher Geburt und so. Ich habe auch geboren. Man kann sich diese Schmerzen  nicht vorstellen."  

"Morgen ist der 11. 11., bis dahin klemme ich noch die Knie zusammen" scherze ich matt, "der Totensonntag als Geburtstermin scheidet hiermit aus."   "Gut gemacht, ihr beiden," sagt die Ärztin und geht auf Gummisohlen leise davon.   Ich döse im Belegbett. Keine Schmerzen, nichts. Nur Müdigkeit. Der Bauch wölbt sich hoch und rund  unter der Decke. Ich bin jetzt mit meinem Kind in Sicherheit. Einmal bringt eine Schwester das Abendessen. Ich habe Hunger, haue rein. Sozusagen für zwei. Dann schllafe ich ein.   "Rufen sie uns, wenn sie Wehen bekommen, wir fahren sie dann nach unten in den Kreisssaal," sagt eine andere Schwester noch.  

Mitternacht. Schmerzen wecken mich. Ich horche ängstlich in mich hinein: Eigentlich zum Aushalten. Eher wie Menstuationsschmerzen noch. Ich bin keine Pein  gewöhnt. Nicht mal Zahnweh. Ich bin  zum ersten Mal im Krankenhaus. Es geht los. Martinstag und Faschingsbeginn wird der Geburtstag ihres Sohnes sein. Ich wollte eigentlich eine Tochter. Pit auch. Beim Ultraschall haben die Ärzte  einen Jungen gesehen. Ich war enttäuscht, habe mich aber an den Gedanken gewöhnt, indem ich überall kleine Jungen beobachtet hatbe Auch ganz süss. Die Vorhänge im Kinderzimmer sind hellblau mit weissen Wölkchen.  

Im Traum warte ich genau wie damals noch bis zwei Uhr morgens, dann werden die Schmerzen unangenehm. Rufe erst Mami an, dann Pit. "Es geht los, komm bitte her." Dann erst telefoniere ich mit  der Stationsschwester.   Man fährt mich in meinem Bett in den Kreisssaal. Blödes Wort. Macht einen Einlauf. Schon wieder ein  Klo.   "Warum Einlauf?" frage ich.   "Ist besser so, für die Geburt," weicht  die Hebamme aus. Es ist nicht die Hübsche. Diese hier heisst Schwester Gunda. Muss ich mir merken, um es Andi später erzählen zu können.   Die haben doch bloss Angst, dass man vor lauter Pressen mitten in den Kreisssaal scheisst, denke ich, als ich kerzengerade am Klo hocke. Es riecht lieblich. Ganz zu schweigen von den Geräuschen. Die Schwester bleibt leider vorsichtshalber bei mir hinter einem Paravant. Ich schäme mich.  Inter faeces et urinas nascimur....  

Plötzlich liege ich  in einem dämmrigen Vorraum des Kreisssaales. Sie haben mir einen Wehentropf angehängt. Oder schon den zweiten. Es dauert sonst zu lang. Es tut unglaublich weh. Die Ärztin hatte recht.   Pit ist da. Steht Meter von mir weg an der Tür.   "Es tut so weh" höre ich mich sagen.   "Kommen sie, setzen sie sich zu ihrer Frau" sagt die Hebamme und holt einen Stuhl. Pit setzt sich auf die Kante. Hält meine Hand, weil das so erwartet wird. Ich spüre, dass er weg will. Dann vesinke ich wieder im Schmerz. Ich zähle, bis die Wehe verebbt, um mich an den Zahlen festzuhalten.

Der Schmerz brennt  alles weg,  was ich in den Vorbereitungskursen gelernt habe. Lauter Pärchen waren das damals, ich immer allein.  Gleissende Helle, beinahe wie Scheinwerferlicht. Mein Traum ist wirklich lebensecht. Der Kreisssaal. Die Schmerzen sind das Inferno. Ich bin nichts als Schmerz, der mich  zerreisst. Ich reagiere  wie ein Tier auf die Stimme der Ärztin: Pressen. Halt. Hecheln. Gut so. Pressen...



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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