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Altweibersommer - One-Night-Stand als "Matrone"


Jan 5 2013

Ruth Eder
14:38 Uhr
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Der düstere Typ am Tresen der Tanzschule erinnerte mich ziemlich an Wolf. Es tat inzwischen kaum mehr weh, dass wir seit meiner Rückkehr von der Kreuzfahrt "nur noch beste Freunde" waren, weil ich sein Trinken nicht länger ertrug... Und deshalb stürzte ich mich wohl - rückblickend betrachtet - mit diesem Mann nach der lachhaften  Salsa-Tanzstunde auch in den allerersten One-Night-Stand meines Lebens. Das auch noch in einem Alter, das ich gern als "matronenhaft" bezeichnete, was ich selbstverständlich scherzhaft meinte...  

Wenn nicht jetzt, wann dann? Der Typ entpuppte sich als Pleite-Unternehmer, der von der Unterstützung seines erfolgreichen Bruders lebte. Außerdem stand er dann und wann der Tanzschule als Tanzpartner für einsame Damen zur Verfügung, womit er "ein paar Mäuse auf die Kralle" dazu verdiente. Ihn umgab, auch das erinnerte mich an Wolfi,  eine Aura aus Resignation, Alkohol und Nikotin. Ob ich irgendwie auf gestrauchelte Männer stand? Dieser war jedenfalls eindeutig eine Sünde wert..

Wir sprachen in dieser Nacht eindeutig  wenig. Dass seine Kondition vielleicht an seinem Alkoholpegel und nicht ausschließlich an mir lag, kam mir nur kurzfristig in den Sinn, obwohl ich mir meiner Anziehungskraft nicht mehrso  sicher war wie früher. Und ich schämte mich nur kurz, als ich mit zu ihm in seine Ein-Zimmer-Bude ging. "Es wartet keiner auf mich und ich bin niemandem mehr Rechenschaft schuldig," sagte ich noch beinahe trotzig, bevor ich mich in die Hitze der Nacht fallen ließ.

"Geil" sagte Onkel Karlchen am nächsten Tag ins Telefon. Er hatte ja so Recht und ich musste es einfach jemandem erzählen.

"Es wird ja auch Zeit, dass du wieder mal mit einem Mann Sex hattest! Und dann gleich ein One-Night-Stand, wie das die Jugend heute nennt. Das hätte ich dir gar nicht zugetraut, liebste Nichte!"

"Deine Mama, meine Oma, würde sich im Grab umdrehen..." erwiderte ich mit einer Mischung aus Stolz, Trotz und Beschämung.

"Tja, die hatte ihr ganzes Leben nur einen einzigen Mann, meinen Alten, die dumme Pute," konterte Karlchen. "Erzähl mal, wie war denn der Typ denn  so im Bett?" Mein Onkel kannte wirklich kein Pardon und kein Tabu.

"Tja, äh..." sagte ich.

 "Das hört sich ja nicht gerade begeistert an. Wie oft hat er es denn gebracht?"

"Es war toll!" sagte ich.

 "Du hast ja hoffentlich aufgepasst, dass du dir nichts holst..."

 "Na hör mal, ich bin doch keine 15 mehr!"

 "Und, wie geht es weiter?"

"Gar nicht! Er ist absolut unter meinem Niveau!"

 "Na und? Das war mein Freund auch! Aber dafür richtig Spitze im Bett. Denk an Goethe und seine Vulpius!"

"Wann kommst du denn mal wieder vorbei?" versuchte ich abzulenken.

 "Mal sehen. Aber nur, wenn du mir von deinem Abenteuer en detail berichtest..." dabei lachte er sein Bassbariton-Bühnengelächter und ich war froh, einen solchen Onkel zu haben, dem nichts, aber auch gar nichts Menschliches fremd war.

"En detai sagt heutzutage übrigens auch kein Mensch mehr, Onkelchen", meckerte ich. "Und erzähl bloß Ina nichts davon!" Karlchen lachte noch mehr, sagte "Zu Befehl! Und habe die Ehre, grä Frau, Baba! " und legte wieder einmal vor mir auf. Auch wenn es, genau genommen, gar keinen Hörer mehr zum Auflegen gab.




 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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