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Altweibersommer - Zwischenspiel als Haremsdame


Jul 13 2009

Ruth Eder
10:31 Uhr
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  Bei diesem Sauwetter mache ich jetzt besser mal eine Jogging-Pause. Die Laufschuhe voller Matsch, alle Hosen und Socken in der Waschmaschine. Was aber tun, um sich auch bei Dauernässe gegen das Altern zu stemmen - mehr oder minder würdevoll? Eigentlich doch egal, in welchem muskulären Zustand man in der Sintflut versinkt… Aber wer weiß: Vielleicht findet  an  einem Dienstag im August doch noch der Münchener Sommer statt. Und dann kneift das Outfit. Nicht auszudenken. 
Also melde ich mich zu einem Bauchtanz-Schnupperkurs an. Der findet garantiert im Saale und somit im Trockenen statt, damit die Zuckerpuppen aus der Bauchtanztruppe nicht Schaden nehmen. Vielleicht kennen ja noch einige Bill Ramseys gleichnamigen Hit aus grauer Vorzeit…  
Die orientalische Flöte schmeichelt und lockt, Trommeln wummern sinnlich im Takt des Herzschlages. Am Rand des Tanzsaales mit nachtblauen Teppichboden weiche Kissen, auf denen einige bauchfrei in bunt-fließende Tücher gehüllte Frauen sehr  entspannt ägyptischen Tee nippen, wie Haremsdamen in einem Szenario aus Tausend und eine Nacht. Es duftet nach Jasmin und Spezereien, die Atmosphäre ist heiter, ganz und gar feminin. Kein Mann stört hormonmäßig  die zwanglose Idylle. Welch ein Unterschied zu meinen Jogging-Jagdgründen.  
Andere Frauen wiegen und winden sich vor einer riesigen Spiegelwand im Takt der Musik, Gürtel mit tausend winzigen Münzen klimpern leise, Langhaar weht,  die Frauen kreisen mit dem Becken, zittern rhythmisch mit Bauch und Busen,  winden die Arme schlangengleich, wie Eva persönlich. Evas, die in der Mehrzahl in den „besten Jahren“  sind wie ich. Gestandene, berufstätige Frauen und Mütter auf der Suche nach wahrer Weiblichkeit. Teenager-Dürre ist nämlich hier, anders als in schlankheitsverliebten Fitness-Studios, nicht das Maß aller Dinge, ganz im Gegenteil: Busen, Bauch, Po, Oberschenkel, Körperteile, die dort vor allem unter „Problemzone“ firmieren, sind beim Bauchtanz durchaus erwünschter  Mittelpunkt erotischer Fraulichkeit: „Seit ich Bauchtanz mache, kann ich meinen Körper zum ersten Mal so annehmen, wie er ist“, meint denn auch  „Haremsdame“ Angi,  im wirklichen Leben vollschlanke Verwaltungsangestellte und allein erziehende Mutter um die 50.  
Unter der nachsichtigen Anleitung unserer natürlich  jungen und gertenschlanken Lehrerin üben wir mit  roten Gesichtern Hip-Lifts, das sind Aufwärtsbewegungen der Hüfte, Drops, die entsprechenden Abwärtsbewegungen, weiche Bewegungsmuster für die Arme, Achter und Schleifen für die Hüfte, Kreisvariationen, Schritttechnik und schlängelnde Bewegungen der Wirbelsäule. Und natürlich der „Shimmy,“ jenes Zittern von Hüfte, Bauch und Busen, das bei Latino-Popstar Shakira auf ihren Video-Clips so sexy rüberkommt. Leider sehen einige Schnupper-Schülerinnen, mich eingeschlossen, dabei eher aus,  wie jener arme, von Bauchweh verkrümmte Lehrer Lempel aus „Max und Moritz“. Der Studiospiegel kennt da  kein Pardon. Gleich neben mir murmelt Mitschülerin Petra tonlos vor sich hin: „Lift, Lift und Drop, Drop.“ Mit ein bisschen Popo-Wackeln ist es nämlich nicht getan. Bauchtanz ist richtig anstrengend! „Bauchtanz ist in Persien eine Kunstform, “ betont unsere Lehrerin. Ich fürchte, bei mir ist das  noch ein Weilchen hin.  
Im Arabischen heißt der Tanz „Raks Sharki“, „Tanz des Ostens“. Er hat sich aus den Fruchtbarkeitstänzen Afrikas entwickelt. Von Afrika aus eroberte er schließlich Ägypten. Um die Jahrhundertwende hielt er in Amerika und Europa Einzug. Inzwischen ist Bauchtanz aus keiner Volkshochschule mehr weg zu denken. Und im Internet kann man sogar „orientalischen Tanzbedarf“ kaufen. Ich weiß nicht, ob ich mir so was anschaffe.  Fruchtbarkeitstänze brauche ich eigentlich auch nicht mehr. Hoffentlich sind meine Laufschuhe bald wieder trocken…                 



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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